Weihnachtsmarkt in Seoul, oder: Warum Chili Con Carne ein deutsches Gericht ist


Sie wissen vielleicht, dass Deutschland einige sehr beliebte Exportprodukte wie Autos und Bier hat. Eines der saisonalen Exportprodukte sind Weihnachtsmärkte. Weihnachtsmärkte sind in Deutschland riesig und in Städten wie Hamburg und Berlin finden Sie oft mehrere in Laufnähe. Genau wie das Münchner Oktoberfest werden deutsche Weihnachtsmärkte heutzutage in vielen Ländern außerhalb Deutschlands abgehalten und sogar Seoul hat einen.

Weihnachtsmarkt 2010

Im letzten Dezember hieß er noch „Deutscher Weihnachtsmarkt“, in diesem Jahr heißt er „Europäischer Weihnachtsmarkt“. Es gibt einen großen Weihnachtsbaum und es werden einige schreckliche alte deutsche Weihnachtslieder gespielt, es sei denn, es tritt eine Band live auf. Der Markt ist ziemlich klein und obwohl sie mehr Länder aufgenommen haben, hat er sich nicht vergrößert.

Sie können Weihnachtsdekoration, Plätzchen, Waffeln, Glühwein, Würstchen, Suppe, Rösti, Apfelkuchen und … Chili con Carne kaufen.

Es scheint, als hätte jemand vorher entschieden, dass Chili Con Carne auf der Speisekarte stehen muss, vermutlich weil es ein scharfes Gericht ist. Da aber nur Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich/Italien und die Niederlande teilnahmen, ergab sich daraus ein kleines Problem: Chili Con Carne ist in keinem dieser Länder ein Nationalgericht. Auch für Frankreich & Italien wurde aus irgendeinem Grund „Wurst & Linsensuppe mit Würstchen“ gewählt. Ok… Man stelle sich die Empörung vor, wenn jemand das koreanische Gericht Bibimbap als deutsch oder japanisch bezeichnen würde! 😉

Etwas irritierend ist, dass auf dem Weihnachtsbaum ein Kreuz angebracht wurde. In Europa beten die Leute normalerweise keine Bäume an und gehen auch nicht in einen Baum hinein, um zu beten, weil es zu schmerzhaft ist. Es ist Tradition, einen Weihnachtsstern auf die Spitze zu setzen, was ja auch viel passender ist, da er den Stern von Bethlehem symbolisiert, der schließlich die Weisen zum Haus von Jesus führte. Da Weihnachten die Geburt von Jesus feiert, ist ein Stern viel sinnvoller. Wie konnte man so etwas nur durcheinander bringen?

Ich war auch nicht beeindruckt von den Ständen selbst, die generisch und überhaupt nicht dekoriert waren. Es sah einfach wie ein weiteres Food-Festival aus. Mein Lieblingsstand war der holländische, denn mit holländischem Kaffee, Keksen und der Flagge wirkte er tatsächlich holländisch. Angeblich taucht auch der Weihnachtsmann irgendwann auf.

Insgesamt fehlt es diesem Markt an Atmosphäre. Etwas Dekoration hätte geholfen. Oh, und bitte kein Chili con Carne 😉

Niederländischer Stand

Mia Jaap

Journalistin, Entwicklerin und Studentin der japanischen und koreanischen Sprache. Bereist gerne Japan, aber besucht auch gerne bekannte und weniger bekannte Orte in Deutschland.

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